Ein Tag in einer Anwaltskanzlei – Willkommen bei uns!

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14 Mai Ein Tag in einer Anwaltskanzlei – Willkommen bei uns!

Der Arbeitsalltag meines Teams und mir ist viel mehr als nur schnöde Bürokratie. In erster Line und das ist uns auch ganz wichtig, sind wir Dienstleister für unsere Mandanten.

Je nachdem ob ich Gerichtstermine oder auswärtige Mandantentermine habe, komme ich natürlich später als Frau Schulz und Frau Groth ins Büro, die beide dafür sorgen, dass das Telefon ab um 9.00 Uhr besetzt ist. Gerichtstermine werden in der Regel bis 11.00 Uhr terminiert, nur in Ausnahmefällen noch nach 13.00 Uhr oder sogar 15.00 Uhr.

Unser Tag beginnt dann wie in jedem anderen Büro auch – wir kochen uns erstmal einen Kaffee, bevor wir unsere E-Mails und Wiedervorlagen checken. Bestenfalls können wir uns einen Ablaufplan für den Tag erstellen und einhalten. Dazu gehört dann gleichgeartete Aufgaben z.B. die wichtigsten Telefonate hintereinander führen, Wiedervorlagen zu kontrollieren oder E-Mails zu beantworten. Meistens kommt es aber anders, weil entweder Bestandsmandanten oder aber neue Mandanten anrufen bzw. ohne Termin vor der Tür stehen und Termine vereinbaren oder Probleme besprechen wollen, was natürlich vorgeht.

Für alle die mein Büro nicht kennen – an meinem großen Tisch verbringe ich, wenn ich nicht bei Gericht bin, die meiste Zeit des Tages. Und zwar mit den Akten, die mir Frau Schulz oder Frau Groth vorlegen, weil Post gekommen ist oder weil z.B. der Schuldner/die gegnerische Haftpflichtversicherung nicht wie von mir bestimmt, reagiert haben und die Akte daher auf Wiedervorlage liegt.

An Tagen an denen ich durchgängig in der Kanzlei bin, empfangen wir den Tag über verteilt Mandanten, um mit ihnen ihre Fälle zu besprechen oder Gerichtstermine vorzubereiten. In der Regel machen wir zwischen 12.00 Uhr und 13.00 Uhr gemeinsam Mittagspause, weil das sowohl für den Kopf als auch die Teambildung wichtig ist.

Damit alles reibungslos funktioniert und meine Mandanten allumfassend gut und so schnell wie möglich betreut werden, ist es mir wichtig, dass meine Mitarbeiter selbstständig und eigenverantwortlich arbeiten.

Nach der Mittagspause kümmern wir uns dann um den Posteingang. Dieser wird zu den jeweiligen Akten gescannt, dann die passenden Akten dazu herausgesucht, an die Mandanten versandt und sofern es ohne Rücksprache mit ihnen möglich ist, auch direkt beantwortet.

Um 15.00 Uhr leiten wir das Telefon auf den Anrufbeantworter um, nicht weil wir Feierabend machen, sondern weil wir für bestimmte Arbeiten wie Klagen, Schriftsätze (so heißen die Schreiben in einem laufenden Gerichtsverfahren ) oder Zwangsvollstreckungsaufträge und selbst für die interne Buchhaltung einfach Ruhe und Konzentration brauchen.

Wie wohl bereits jetzt ersichtlich, haben wir durch den Umgang mit dem Gericht und die beratende Funktion, die wir für unsere Mandanten einnehmen, viel Verantwortung zu tragen.

Damit alles reibungslos funktioniert und meine Mandanten allumfassend gut und so schnell wie möglich betreut werden, ist es mir wichtig, dass meine Mitarbeiter selbstständig und eigenverantwortlich arbeiten. Vor allem Frau Schulz kann aufgrund ihres Fachwirtstudiums unter anderem die Zwangsvollstreckungsakten vollständig allein bearbeiten.

Eigenverantwortliches und selbstständiges Arbeiten ist jedoch weder für Rechtsanwaltsfachangestellte noch für angestellte Rechtsanwälte eine Selbstverständlichkeit. Vor allem in den ersten Jahre einer Festanstellung in größeren oder Groß-/Kanzleien arbeiten die Junganwälte den Partneranwälten ausschließlich zu, welche die Schreiben und Schriftsätze dann lediglich noch durchsehen, gegebenenfalls korrigieren und vor allem als ihre eigenen „ausgeben“.

Jeder der überlegt den Beruf des Rechtsanwaltes zu ergreifen, sollte sich nicht nur mit der Frage beschäftigen, welches Rechtsgebiet er interessant und spannend findet, er muss sich auch überlegen, ob er lieber Teil einer Großkanzlei mit der Aussicht auf Partnerschaft aber ohne oder wenig Mandanten- und Gerichtskontakt wird, oder ob er in einer kleine(re)n Kanzlei  selbstständig Mandate betreut und auch die entsprechende Verantwortung übernimmt, seine Arbeit nach außen und vor Gericht zu vertreten. Vor allem aber müssen sich alle Studierenden nach dem Studienabschluss darauf einstellen, dass das Studium nichts mit dem praktischen Anwaltsberuf zu tun hat.

anwaltsrobe_gerichtDie gelernten Inhalte sind eher eine Art Richtschnur, die einem das Arbeiten und Erfassen von Sachverhalten erleichtert. In der Praxis aber kommt es darauf an, das Vertrauen des Mandats zu gewinnen, zu behalten, ihm zuzuhören und lösungsorientiert zu arbeiten. Wenn man das verstanden hat und wirklich will, kann und sollte schlussendlich nichts schiefgehen.

Wir freuen uns über deine/eure Fragen und Anregungen!